Die Villa Bridler

Seit 2003 steht die Villa Bridler Firmen aus der nahen und weiteren Region für Seminare, Schulungen und Workshops zur Verfügung. Bei der umfassenden Sanierung 2002-2003 wurde die Infrastruktur modernisiert, ohne die historische Substanz der Villa zu beeinträchtigen. 

Architektur

Typologisch betrachtet ist die Villa Bridler ein wichtiger Exponent der „Villa der Mittelschicht“, einem Bautypus, der in der Tradition der Grossvillen aus der Gründerzeit nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 steht und etwa in den 1880er Jahren entstand.

Gegenüber den Grossvillen ist die Reduktion von Gebäudegrösse und Ausstattungsqualität typisch, der Verzicht auf eine dominierende Halle im Erdgeschoss und das gleichzeitige Festhalten an Spezialräumen wie Herrenzimmer, Veranden, Kinderspielzimmer, Mägdezimmer usw.

Am Äussern wurde nicht gespart: turmähnlicher Treppenhausrisalit, Tudorgiebel mit Zierelementen, gotisierende Fensterumrahmungen, Verandenanbauten, reich verzierte Kamine und bunt verglaste Fenster tragen zur stattlichen Wirkung des Gebäudes bei, das eindeutig als Villa zu identifizieren ist. Zudem zählt die Villa Bridler zu den wichtigsten „Eigenheimen von Architekten“ in Winterthur.

Stilistisch gehört die Villa Bridler zu den äusserst seltenen Zeugen der Tudorgotik, die in Winterthur nur von den Architekten Jung & Bridler verwendet und somit vielleicht als eine Art „Markenzeichen“ verstanden werden kann.

Architekt Otto Bridler

  • geboren am 9. Mai 1864 in Altnau (TG)
  • Besuch der Kantonsschule in Frauenfeld
  • Studium der Architektur in Stuttgart, Berlin und München
  • ab 1886 steile Militärkarriere (Oberstkorpskommandant)
  • ab 1888 Teilhaber des Architekturbüros Jung & Bridler
  • ab 1907 Teilhaber des Architekturbüros Bridler & Völki
  • gestorben am 14. Mai 1938 in Winterthur

Otto Bridler ist als Architekt schwierig einzuschätzen. In der Literatur werden meist die Namen seiner Partner – Jung und Völki – hervorgehoben. Viele Werke werden als die ihrigen ausgegeben. Bridler wird häufig gar nicht erwähnt und wenn, dann nur als Teil der vollständigen Firmennamen. Welche Funktion Bridler innerhalb der beiden Architektubüros innehatte, ist kaum mehr auszumachen.

Da er sich spätestens ab 1914 seiner militärischen Karriere hingab, ist jedoch zu vermuten, dass Bridler eher verwalterische als künstlerische Aspekte abdeckte.

Foto: 1930: Manöver 3. Division, Bridler, Oberstdivisionär Scheible und Bundesrat Minger am Defilee (Quelle Schweizer Illustrierte)